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Ein Eintauchen in eine faszinierende Welt

Der Vermieter meiner bezaubernden Ferienwohnung war gestern zufällig in Marrakech. Er hatte mir angeboten, mich mit nach Essaouira zu nehmen.
Was für eine wundervolle Fügung.
Er ist Deutscher und wohnt schon seit 35 Jahren in Essaouira.
Seine Liebe zu diesem Land und den Menschen hat mich sehr berührt.

In Marrakech sind wir dann noch durch die Straßen gestromert.
Und ich durfte wiedermal voller Staunen die Vielfältigkeit unserer wunderbaren Welt kennenlernen.

Wir waren in einem Lokal – rappelvoll mit Marokkanern – Fisch essen.
Gegessen wird mit der rechten Hand … das kriege ich mittlerweile gut hin.

Aber über eine Sache musste ich herzhaft lachen …
Meine Olivensteine hatte ich fein säuberlich auf eine Serviette gelegt.
Der Anblick der umliegenden Tische hatte mich anfangs wirklich irritiert und ich dachte:
“Boah, die verlassenen Tische sehen ja total wüst aus“.

Alles, was nicht gegessen wurde, lag AUF oder UNTER dem Tisch.
Ich war die Einzige, die ihre Olivensteine zu einem Häufchen geordnet hat.

Mein Vermieter klärte mich dann auf.
Es ist hier üblich, sämtliche Essensreste (Fischgräten o. ä.) einfach fallen zu lassen.
Ich hab’s probiert, muss aber zugeben, das ich das nicht hingekriegt habe.
Lustig, wie unsere Konditionierungen wirken.

Der Kellner kommt dann mit einer Schaufel … und schwupp, ist es alles wieder **sauber**.

Mein Vermieter erzählte dann noch, wie er es bei den Berbern erlebt hat.
Nach einem Festschmaus wird einfach der gesamte Tisch weggetragen und ein neuer Tisch hingestellt.
Haha … genial.

Am Freitag werde ich ihn und seine marokkanischen Freunde auf einer Tageswanderung begleiten.
Ich bin schon sehr neugierig auf die einzigartigen Arganbäume, aus deren Nüssen das kostbare Arganöl gewonnen wird.

Ich bin noch nicht lange hier und habe dieses faszinierende Land schon jetzt in mein Herz geschlossen.

Lieblingsplatz

Meine zweigeschossige Wohnung hat eine Dachterrasse -Südseite.
Ich sehe die Sonne aufgehen und wieder untertauchen … es ist grandios.

Ich wohne hier inmitten der Einheimischen und es ist so cool, auf dem Sims zu sitzen und das Geschehen von *oben* zu beobachten.
Der Atlantik ist direkt vor mir und ich höre ihn.

Parcours

Das mache ich jetzt täglich … einmal komplett an den Fischständen vorbeilaufen.
Die perfekte Übung für eine gelassene und gleichzeitig bestimmte Freundlichkeit.

Es begeistert mich immer wieder, wie hartnäckig die Fischleute jeden, der vorbei läuft, zum Essen animieren möchten.
Gestern hatte ich noch keinen Hunger, aber heute.

Bisher hatte ich auf meinen Reisen noch nie Probleme damit, mich freundlich *abzugrenzen*.
Keine Ahnung, warum das so ist … aber vielleicht strahlt auch mein Lächeln genau diese Bestimmtheit aus, mit der ich durch das Leben tanze.
Wer mich anschaut weiß, er braucht nicht mit mir zu diskutieren.

Wofür ich allerdings überhaupt nicht geschaffen bin, ist das Preis verhandeln.
Sobald ein Preis *für mich* passend erscheint, ist es gut und ich habe keine Lust, den Preis noch weiter runterzuhandeln.
Aber vielleicht kann ich das noch lernen?

Essaouira ist einfach bezaubernd.
Gestern habe ich den ganzen Tag die Nase in die Sonne gehalten und mich wie ein Leguan aufgewärmt.
Naja … und heute hab ich eine rote Nase … hatte vergessen, dass eine rothaarige Sommersprosse nicht braun sondern rot wird.

Tageswanderung

Was für ein schöner Tag.
Von 10 – 17 Uhr mit dem Ruchsack unterwegs.
Laufen, staunen, geniessen, innehalten …

Es war absolut entspannt, dem Flusslauf bis zum Heimatdorf von P.K. zu folgen.
Von Stein zu Stein über einen kleinen Fluss hüpfend, über Geröllsteine, durch Dornengestrüpp … hinter jeder Flussbiegung gab es neue Ausblicke.

Bei den Schildkröten wäre ich am liebsten stundenlang sitzen geblieben.
Die stacheligen Arganbäume sind beeindruckend.

Abends sind wir dann zu einem Berber gegangen.
Es gab Tajine, ein typisches marokkanisches Gericht.
Und zum ersten Mal habe ich gemeinsam mit anderen aus einer Schüssel gegessen … selbstverständlich mit der Hand.

Welche Richtung schlage ich ein?

Im Moment beschäftigt mich eine Idee, die genau vor einem Jahr schon mal da war.

Gehe ich zurück in die Stadt meiner Eltern?

Ich möchte sie gern mehr unterstützen, ich möchte mehr Zeit mit ihnen verbringen.
Und das ist schwierig, wenn ich mehrere Hundert Kilometer entfernt wohne.

Vorstellbar ist für mich fast alles … auch mit einem längeren Auslandsaufenthalt hatte ich geliebäugelt.

Aber der Preis ist mir zu hoch.
Dafür ist mir meine gesamte Familie einfach zu wichtig.

Während meiner Reisen durfte ich erfahren, dass es im Grunde ÜBERALL schön ist.
Egal, ob ich in Nicaragua, Indien, Marokko oder im Garten meiner Eltern sitze … entscheidend ist IMMER, mit welchem Gefühl ich da sitze.

Ich weiß, dass ich mein Glück und meine Zufriedenheit immer in mir trage.
Es ist nicht ortsgebunden.
Ich kann es überall leben.

Also bin ich gespannt, ob und wie sich diese Idee umsetzt.

Am Hafen

Heute habe ich das Hafengelände erkundet und mir wieder einen Lieblingsplatz auserkoren … ganz am Ende auf einem Mäuerchen.

Und als ich dann auch noch entdeckt habe, dass sich die Marokkaner bei einem alten Mann Tee gekauft haben …habe ich das auch gemacht.

Das Tee-Einschenken ist faszinierend.
Die Tee-Kanne wird mit großem Abstand über das Glas gehalten und dann wird zielsicher eingeschenkt. Dadurch entsteht eine *Blume* und der Tee ist perfekt.
So wie für die Deutschen die Blume auf dem Bier … ist es hier die Blume auf dem grünen Tee.

Die Auswahl an Fisch und anderem Meeresgetier ist beachtlich.
Und ich hatte eine Idee … ich tue mal so, als ob ich dazu gehöre.
Hab mir eine große Portion frische Garnelen gekauft und *zu Hause* in die Pfanne geworfen.

Mein Dinner war grandios … auf dem Sims sitzend und essend die untergehende Sonne beobachten.

Und wieder dachte ich … OMG … was geht es mir gut.

Von Essaouira nach Marrakech

Was für ein Unterschied … was für neue Erfahrungen.

Ich hatte mir hier ein Zimmer gebucht … so richtig mitten in der Medina (Altstadt).
Was das bedeutet, durfte ich gestern erleben.

Der Taxifahrer hatte mich von der Busstation ins Stadtinnere gefahren.
Ich dachte, okay … er setzt mich dann vor meiner Unterkunft ab und alles ist gut.

Es kam natürlich anders …
Er konnte das Gässchen, wo mein Riad Todra liegt, nicht anfahren.
Also hat er mich in der Nähe abgesetzt und mir den Weg erklärt.
Das Angebot eines Marrokaners, mich und meine zwei Rucksäcke für 1 Dirham (0,10 €) hinzuführen, hatte ich leichtfertig ausgeschlagen.

Tja … und dann irrte ich mit meinem Gepäck durch diese Gassen.
Ich hatte schon nach einigen Metern keine Idee mehr, wo ich hin muss.

Und auch meine gelassene Freundlichkeit hat sich irgendwie verabschiedet.

Nein, ich möchte im Moment (beladen mit Gepäck und leicht angenervt) keinen Teppich kaufen oder meine Hände mit Henna bemalen lassen.

Irgendwann habe ich dann ein paar Frauen angesprochen und nach dem Weg gefragt. Deren Sohn hat mich dann durch völlig verwinkelte Gassen zu meiner Riad geführt.

Und ich dachte … upps … das wird hier für meinen NICHT ausgebildeten Orientierungssinn eine wahre Herausforderung.

Auch über mein Zimmer musste ich lächeln.
Ein krasser Gegensatz zu meiner FeWo in Essaouira.
Lustig fand ich, dass der Name meines Zimmers “Essaouira“ ist.
Es steht ein Bett und ein Stuhl drin … mehr nicht.
Dusche und Toilette teile ich mit anderen.

Und ich dachte gestern, oha … das wird spannend.
Ich liebe es, mich auf etwas einzulassen, ohne dass ich vorher weiß, welche Erfahrungen sich dahinter verbergen.

Allerdings hatte ich vorher schon intuitiv meinen Aufenthalt in Marrakech zugunsten von Essaouira verkürzt.
4 Tage Großstadt und Mini-Zimmer sind ausreichend.

Mein Zimmer ist direkt auf der Dachterrasse und mein Zimmer hat Fenster.

Frühstück
Wird hier normalerweise gemeinsam mit den anderen Gästen unten im Parterre eingenommen.
Meine Vorlieben sind allerdings völlig anders.

Ich möchte unter dem Himmel mit der Nase in der Sonne sitzen … UND … ich möchte beim Frühstück keine Gespräche führen **müssen**.

Also hat mir Ismael kurzerhand mein Frühstück aufs Tablett gepackt und ich bin damit nach oben auf die Dachterrasse.

Und so in den Tag zu starten ist für mich einfach nur göttlich.

Gedanken

Ich habe heute Mittag die Marokkaner beim Gebet beobachtet.
Es ist spannend und mir gingen verschiedene Dinge durch den Sinn.

Es wäre doch cool, wenn kein Wesen mehr einen *Anführer* braucht, der ihm sagt, was es zu tun hat – egal, aus welcher Religion.

Wenn es keiner Regeln und keiner festgezurrten Rituale bedarf.

Wenn jedes Wesen SEINE Wahrheit einfach aus dem Herzen lebt … so wie es für den Moment passt und sich stimmig anfühlt.

Ich möchte mich nicht hinknien oder verbeugen müssen, weil es grad 13 Uhr ist oder weil es mir jemand sagt.

Ich mache es, wenn ich es fühle.
Und dann verbeuge ich mich nicht vor **irgend etwas – von mir getrenntes** sondern vor mir selbst und damit gleichzeitig vor ALLEM.

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