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Mein Abenteuer Nicaragua – 31.01.2016 – 10.03.2016

Prolog: Statt Jakobsweg … eine Jakobshütte

Es fühlt sich merkwürdig an … nach 14 Tagen *allein mit mir* bin ich wieder in der Zivilisation.

Als ich die Reise gebucht hatte, war mir noch nicht bewusst, dass diese zwei cabaña-Wochen so wichtig sein werden. (cabaña = Hütte)

Ich hatte mir so etwas schon immer gewünscht … einen Ort, wo ich einfach nur die Natur genießen kann.

Anfangs war ich unsicher.
Kann ich das?
Zwei Wochen nur *sein* und mich an dem erfreuen, was ich im Moment habe?
Ohne, dass die Gedanken in der Zukunft oder in der Vergangenheit weilen?

Zum 31.01. hatte ich meinen Job gekündigt und am 31.01. bin ich nach Nicaragua geflogen.
Welchen Weg ich danach beruflich einschlagen werde, war absolut ungewiss.
Ich glaube, ohne mein bedingungsloses Urvertrauen hätte ich das so nicht machen können.
Und ich war selber neugierig, ob ich mich auf zwei cabaña-Wochen einlassen kann. Es war … wie ein Eintauchen in eine andere Welt.

Es war wunderschön, ich durfte viel über mich erfahren … zwei Wochen waren dann aber auch genug an Ruhe und mit mir beschäftigt sein.

Meine Terrasse war ein riesengroßes Schaufenster … ständig kam irgendein Wesen vorbei. Ich brauchte *einfach nur* still sitzen … beobachten und mich freuen.

Abflug in Frankfurt

So ganz langsam realisiert mein Kopf, dass ich tatsächlich für 6 Wochen nach Nicaragua fliege.
Ein Traum erfüllt sich … meine Lieblingssprache vor Ort lernen.

Mi casa … Granada

Die ersten vier Wochen bin ich in Granada mit verschiedenen mehrtägigen Ausflügen.

Das wunderschöne Kolonialhaus meiner Gastfamilie.
Ungewohnt sind die dunklen Zimmer ohne Fenster und die spärliche Beleuchtung. Das Leben findet *draußen* statt – entweder im Innenhof oder mit Stuhl auf der Straße.

Ronal & Carlos

Unsere beiden fürsorglichen Helfer, Ronal & Carlos.
Sie sind Verwandte der Gastmutter Fatima und wohnen auch mit hier.
Sie sorgen dafür, dass wir unsere Spanisch-Kenntnisse sofort anwenden müssen.

Getränke

Gibt es hier in der Tüte.

Meine wunderbare Texas-Lady

… Mitstudentin und Mitbewohnerin

Sie hat am kommenden Sonntag Geburtstag … sie wird 80 Jahre!!!
Diese Texas-Lady ist der Hammer … topfit … vom Zeh bis in die oberste Hirnzelle. Sie ist so wunderbar inspirierend, agil und witzig.
Gestern sagte sie mir, dass sich in unserer Nähe ein Fitness-Center befindet und sie überlegt, ob sie mal hingeht.
Ich liebe ihr fröhliches, unbeschwertes Wesen.
Und sie sagte … nö, die Nica-Frauen sind nicht dick, die sind bloß zu klein.

Meine Schule

Der Unterricht ist sehr gut.
Jeder Student hat einen Lehrer … das ist intensiver Einzelunterricht.
Am Mittwoch war gemeinsames Kochen angesagt, ein Nationalgericht: Indio viejo

Ein Ausflug mit meiner zauberhaften Sprachlehrerin Jorlyn

Heute ging es mit öffentlichem Bus in die Umgebung.

Was für ein Abenteuer. Der Verkehr in Nica beschränkte sich auf eine Regel – wer zuerst hupt hat Vorfahrt. Der Lärm auf den Straßen ist total witzig … überall hupt, pfeift und piept es.

Wenn ein Bus hält, schreit der Busbegleiter schon von Weitem die Namen der angefahrenen Orte.
Überhaupt wird hier ziemlich viel rumgeschrien. Jeder, der etwas verkaufen will (und das sind echt viele) schreit sein Angebot in die Gegend. Ich fand das total interessant, aber nach einer Stunde im Marktgetümmel … brauchte ich eine Pause. Das sind meine Ohren nicht gewöhnt.

Auf dem Rückweg stand ich mit Jorlyn mitten in der Pampa und ich fragte sie, woran man denn erkennt, dass das eine Haltestelle ist?
Gar nicht … das muss man wissen.

Die Busfahrer halten dann manchmal mitten auf der Straße und die Leute springen dann teilweise aus dem Bus.
Deshalb gibt es auch immer 1 bis 2 Busbegleiter. Die checken, ob die Straße frei ist und kassieren das Fahrgeld.
Und alles geht ruckizucki … Trödeln beim Einsteigen? … das gibt einen bösen Blick vom Busbegleiter.

Was ich heute auch total witzig fand, waren diese kleinen roten Taxis.
In Granada gibt’s die nicht, aber im Pueblo Katerina, wo wir heute waren, fahren die zu Hauf rum.
Ich war schwer beeindruckt, wie meine 1,50 m kleine Jorlyn plötzlich mit zwei Fingern ein Taxi herbeigepfiffen hat.

Dinge, die *einfach so* passieren

Heute früh war ich zeitig wach – so gegen 5 Uhr.

Da ich abends oft ziemlich platt von der Sonne und dem ständigen Switchen von Spanisch und Englisch bin – gehe ich relativ zeitig ins Bett. So war ich halt um 5 Uhr gut ausgeschlafen.
Ich bin dann raus und hab mich mit ner Tasse Kaffee in den Innenhof gesetzt.
Und ich dachte „Wow … jetzt habe ich sie gefunden … eine stille Stunde für mich allein“

Da saß ich nun so glückselig, plötzlich kam Carlos zu mir und fragte mich, ob ich ihn und Ronal zum Gottesdienst begleite. Natürlich hab ich *ja* gesagt, aber ich musste innerlich lächeln.
Ich liebe Kirchen und ganz besonders den Speyerer Kaiserdom aber ich bin kein Fan von zelebrierten Gottesdiensten. Und kaum bin ich in Nica, gehe ich freiwillig um 5:30 Uhr zu einer Messe.

Es war ein Erlebnis der besonderen Art. Es war sehr spannend für mich, die Messe mitzuerleben, aber noch spannender waren die Gespräche, die sich mit Carlos und Ronal ergeben haben.

Sie erzählten mir vom Krieg, beide waren Anhänger der Sandinisten. Carlos wurde im Krieg schwer verletzt. Es hat mich sehr berührt. Und ich erinnerte mich an die Zeit, in der Nicaragua von der DDR unterstützt wurde.

Ich lese grad das Buch von Doris Klinnert „Unterwegs in Nicaragua“.
Es zu lesen und dann aber zu erleben … das ist etwas, was wirklich mein Herz berührt.
So viele Ideale, so viele Ideen … und trotzdem scheitert es immer wieder am erwachten Machthunger der ehemaligen Revolutionäre.

Mittwoch Abend

War ich mit meiner Texas-Lady und Carlos Eis essen.
Der Weg war nicht lang, aber wir waren ziemlich lange unterwegs, weil Carlos uns all seinen Freunden vorgestellt hat.

Und ich war erstaunt – hier ist wohl jeder ein Sammler von Schaukelstühlen, die Wohnzimmer sind voll mit diesen Stühlen.

Ein Hotelwächter hat uns ganz stolz *sein* Hotel gezeigt. Diese Kolonialhäuser sind schon wirklich beeindruckend.
Mir war aber schon klar, dass das nicht das *normale* Leben eines Nicas ist.

Fatima, die ama de casa, ist Hausfrau, ihr Mann Rechtsanwalt.
Sie hat mehrere Bedienstete und ich kann nicht genau sagen, was sie den ganzen Tag macht. Bisher war es so, dass immer eine ihrer Freundinnen hier ist und dann wird erzählt, erzählt, erzählt
Ich versuche dann immer rauszufinden, über was sich diese Frauen unterhalten.

Den Gegensatz zu diesem Haus habe ich gestern erlebt.
Der Vater von Jorlyn wohnt in dem Ort, wo wir gestern waren. Sie fragte mich, ob ich sie auf einen Kurzbesuch begleiten möchte.
Claro, quer si
Tja und dann habe ich eine sehr einfache Hütte gesehen … welch ein Gegensatz.

Ich hatte Gastgeschenke für meine Gastfamilie mitgenommen.
Mittlerweile bedauere ich es, dass ich sie schon Fatima gegeben habe.
Meine Familie hier braucht keine Geschenke.
Ich hätte sie lieber anderen Personen geschenkt.

Ometepe … ein kleines Paradies

Bis zum Sonntag bin ich auf der Insel Ometepe in Santo Domingo.
Morgen geht es auf den Vulkan Maderas.
Auf meiner Liste der *Erfahrungen* steht jetzt auch:
Wenn du mit dem Auto gefahren wirst, nimm immer eine Jacke mit.
Die Klimaanlagen sind so dermaßen kalt, dass ich einen Kälteschock bekomme.

Im Kleidchen den Strand langschlendern …

… mit den Füßen das Wasser hochspritzen.

Im Blick nach vorn den Vulkan Maderas, im Blick zurück den Vulkan Concepción.
Irgendwann hab ich mich unter einen schattigen Baum gelegt und über mir zogen 15 Greifvögel ihre majestätischen Kreise.

Was für ein wunderschöner Tag!

El Castillo, Rio San Juan

Was für ein Paradies … ein bezaubernder Ort direkt am Fluss.

Allein die Anreise war schon spannend.
Erst 5 Stunden mit dem Auto von Granada nach San Carlos und dann 3 Stunden mit dem Boot nach Castillo.
Es gibt so unendlich viel zu schauen und zu staunen.

Ich erlebe die Nicas als sehr, sehr freundlich und liebenswert.
Ein Lächeln wird ganz unaufdringlich mit einem Lächeln erwidert.
Ich kann die Kinder anlächeln … einfach so, ohne dass sie mich in Beschlag nehmen.

Unser Hotel ist total schön und ich geniesse es, mal wieder in einem Zimmer mit Fenster zu schlafen.
An die sonst üblichen dunklen Zimmer ohne Fenster kann ich mich nicht wirklich gewöhnen.
Wenn ich in die Hütten der Nicas schaue, staune ich immer, dass sie bei der spärlichen Funzelbeleuchtung überhaupt was sehen können.

Nach einer Woche fange ich auch an, mein vorgegebenes Programm zu ändern.
Einige Aktivitäten werden von mir gestrichen und bei anderen möchte ich mehr.
Dieser Ausflug hier z. B. war nur für 3 Tage gedacht.
Einen ganzen Tag Anreise, einen vor Ort und dann wieder die lange Rückfahrt nach Granada. No … das wäre mir zu stressig, also bleiben wir einen Tag länger hier.

Nächste Woche ist ein zweitägiger Ausflug nach Leon und Managua vorgesehen.
Und da ich weiß, dass ich nicht gern den ganzen Tag durch eine heiße – nicht unbedingt reizvolle Stadt – laufen möchte, werde ich lieber für 4 Tage nach Matagalpa fahren. Dort gibt es wunderschöne Natur … das ist eher meins.
Und diesmal auch ohne Lehrer.

Matagalpa steht auch mit auf meinen Optionen für die letzten beiden Wochen – neben Corn Island.
Das Klima hier am Fluss ist sehr angenehm. Die Sonne scheint hier selten, es ist fast immer bewölkt.
Eine gute Erholung für meine vornehme Bässe … ich bin entweder weiß oder rot.
Brauntöne sind wohl für mich nicht vorgesehen .. aber vielleicht ergeben ja viele, viele Sommersprossen irgendwann einen braunen Grundton

Morgen gibt es eine lange Wanderung durch das Reservat.

Reservat …

Die Wanderung mit unserem kundigen Führer war Spitze.
Neben vielen Vögeln und winzigen farbenfrohen Fröschen habe ich einen Tucan gesehen.

Interessant war auch zu wissen, dass der Río San Juan kein reiner Grenzfluss ist .. mal ist er Grenze und mal wieder nicht.
Die Präsenz der Armee erinnerte mich ständig daran, dass wir uns im Grenzgebiet zu Costa Rica aufhalten.

Valentinstag …

Auf die Liebe und die Lust aufs Leben … nicht nur am Valentinstag
Estoy enamorada de la vida.

Poesiefestival in Granada …

Zum 11. Mal findet in Granada das kulturelle Highlight des Jahres, das internationale Poesiefestival statt.
Es ist jeweils einem bestimmten Dichter gewidmet und ist Schauplatz für Konzerte nationaler Bands und Künstler wie auch über 100 internationaler Dichter.

Ein Ankommen …

Ich glaube … jetzt nach 2 Wochen komme ich hier an.

Hab mir den Nachmittag freigenommen, keine organisierten Aktivitäten.
Bin dann nach dem Unterricht über den Markt geschlendert … allein … und fühlte mich sauwohl und heimisch.

Ich hatte (m)eine tiefe Zufriedenheit und mein Lächeln.

Und ich hab meinen ersten Kolibri gesehen – bin auf der Straße stehen geblieben und hab ihn fasziniert beobachtet.
Als ich dann wieder runterschaute, hatten sich mehrere Nicas zu mir gestellt und auch beobachtet.

Meine Pläne hab ich auch noch mal geändert.
Ich fahre erst nächste Woche nach Matagalpa (mein dritter bezahlter Ausflug) und bleibe für die letzten zwei Wochen dort.
Ich hab das jetzt entschieden, ohne Matagalpa vorher zu testen.
Vamos a ver …

Piñata und Kindergeburtstag …

Was für ein Ereignis … ein Kindergeburtstag in unserem casa.

Ich wollte eigentlich kurz Siesta machen … dann standen chicheros neben meiner Tür und an Schlaf war nicht mehr zu denken.

Piñatas dürfen in Nicaragua auf keiner Geburtstagsfeier fehlen.
Die bunten Figuren werden mit Süßigkeiten oder Spielzeugen gefüllt und müssen mit verbundenen Augen getroffen werden.
Irgendwann purzeln dann die ganzen Süßigkeiten heraus und die Kinder stürzen sich begeistert drauf.
Wir wurden hier wie ganz selbstverständlich integriert.
Es wird getanzt, gelacht und viiiiel gegessen.

 

Lernplatz …

mein wunderbarer Lernplatz.

Schattenspiele am Cocibolca …

Morgen fährt eine Mitstudentin weiter zur nächsten Reiseetappe.
Und ich bin zutiefst dankbar für diese wundervollen, inspirierenden Begegnungen.

Ich liebe es, mich inspirieren zu lassen, ohne mich zu vergleichen.
Jeder ist einzigartig und jeder darf bei mir so sein wie er ist.
Das entspannt ungemein …

Andererseits wähle ich immer besser aus, wen ich in meiner Nähe haben möchte und wen nicht.

Mücken …

Die Mücken hier sind mir äußerst sympathisch.
Sie stechen zwar auch …. aber sie stechen still und leise.

Die ersten Tage war ich verwundert … so viele Mückenstiche aber noch nie wurde ich durch das sonst übliche nervenaufreibende Summen im Schlaf gestört.
Die Nica-Mücken haben eine andere Stimmlage.

Wundermittel …

Das ist mein ultimatives Mittel gegen die für mich ungewohnt nach nichts schmeckenden nic. Speisen.
So schmeckt das Nichts wenigstens scharf.

Straßenbilder …

Typische Straßenbilder … ein buntes Gemisch aus Geländewagen, Mofas, Fahrrädern und Pferdekutschen.
Wer an eine Kreuzung kommt, kündigt sich mit Hupe an.

Die Häuser sind bunt und sogar die Masten und Baumstämme werden in der Farbe des Hauses angepinselt.
Die Nicas sitzen in ihren Schaukelstühlen vor den Häusern … ein sehr quirliges, lebendiges Straßenbild.

Café Sueños …

Einer meiner Lieblingsplätze … das magische Café Sueños.

Königin …

Ich bin heute auf meinen Thron gestiegen.

El Escondido …

Meine letzten beiden Wochen in El Escondido

Ich bin sprachlos …
Ich habe mir Ruhe, Natur und angenehme Temperaturen gewünscht … und ich habe alles … im Überfluss.

Aber der Reihe nach …
Die Anfahrt hierher war genial, jetzt weiß ich auch, warum hier jeder einen 4x4 Geländewagen fährt … offroad pur.

Und dann kam plötzlich Panik hoch: In meiner cabaña habe ich keinen Internetzugang.
Aber will soll ich denn da Vokabeln lernen?

Ich bin hier echt allein .. 4 Deutsche sind gestern abgereist.

Bueno … ich hab dann erst mal einen Kaffee mit Señora Esther getrunken und dann … ganz langsam … setze das Gefühl ein:
„Hey … genau das hast du dir doch gewünscht.“

Ich bin der einzige Gast, sitze grad auf meiner Terrasse und bin unglaublich dankbar für dieses Geschenk.
Es zirpt, trällert, die Bäume rauschen.

Für den Abend hat mich die Señora schon mal vorgewarnt … die Brüllaffen machen Radau.
Ich hab einen ersten Erkundungsgang gemacht und schon mal eine geniale Stelle für den Sonnenaufgang gefunden.

Nach dem heißen, lauten, wunderschönen Granada … ist das hier wie ein Paradies für mich … Zeit und Raum verschwinden.
Und meine Spanischvokabeln kann ich unten bei Esther lernen … die einzige Stelle mit Netzempfang.

Verbundenheit …

Das, was ich gestern Abend hier empfunden habe, lässt sich nur schwer in Worte fassen.

Ich saß allein – völlig im Dunkeln – auf der Terrasse meiner cabaña,
* mitten im Wald,
* mitten in Nicaragua.

Bei diesen Gedanken musste ich dann lächeln, weil es irgendwie schräg ist.

Es regnete immer mal wieder, die Geräuschkulisse war faszinierend.

Um mich herum raschelte, fiepte und krächzte es ständig.
Da saß ich nun und schaute in den dunklen Wald …
Ich glaube, ich war noch nie so verbunden mit der Natur, wie in diesem Moment.

Alle Dinge, die jetzt passieren, gehen weit über einen Reisebericht hinaus.
Es hat Spaß gemacht, diesen blog zu gestalten und ich halte mir offen, ob ich ihn fortführe.
Aus einer Spontanidee (weil ich zu faul war, jedem Interessierten einzeln zu antworten), ist ein kleiner Einblick in mein *Abenteuer* geworden.

Ein Faultier …

der hängt mal so richtig gut ab.

Herzklopfen …

Um 21:30 lag ich im Bett.

Plötzlich hörte ich eine Männerstimme und sah Taschenlampenlicht.
Die Stimme war vor meinem Fenster und es leuchtete herein.

Achherje … tausend Sachen gingen mir plötzlich durch den Kopf.
Was, wenn sich rumgesprochen hat, dass hier ne Frau alleine haust?
Der Gedanke kam, ob ich nicht lieber abreise, ob es zu gefährlich hier ist?
Ich hab diese Gedanken dann schnell weggedrückt.
Denn ich wusste ja … ich wusste nichts.

Alles, was einem in so einem Moment durch den Kopf schießt … sind nur Spekulationen.
Ich hab mich dann für eine harmlose Spekulation entschieden.

Ich ging davon aus, dass es der Señor war und er mir irgendwas wichtiges sagen wollte.

Bueno … ich war dann wieder entspannt und wollte schlafen.

Plötzlich hörte ich, wie irgendwas Größeres zu Boden fiel.
Hörte sich an, wie in meinem Zimmer, aber das kann auch täuschen.

Meine erste Idee war, es ist ein Frosch, der von der Decke gefallen ist.
Und da ich mich unter meinem Moskitonetz sehr sicher fühlte, habe ich die Geräusche einfach ignoriert.

Heute früh war dann natürlich nichts zu sehen.

Und … beim Frühstück erfuhr ich, dass Tatsache der Señor abends bei mir war.
Er wollte schauen, wie es mir geht und mir sagen, dass Stromausfall ist.

Ja, wie geil … so ist das mit den Spekulationen.
Ich hätte mich ja auch für eine andere Variante entscheiden können … und hätte die ganze Nacht vor lauter Sorge kein Auge zugetan.

Wanderung …

Der Señor fragte mich, ob ich seinen Sohn als Begleitung mitnehmen will.

Ich hab dankend abgelehnt.
Es wäre für den Jüngling nicht lustig gewesen, mit mir zu wandern.
Ich bleibe nämlich ständig stehen, weil es immer was zu schauen gibt oder weil ich mich einfach nur an dem grandiosen Ausblick erfreue.

Und es hat echt Spaß gemacht.
Ich war 4 Stunden unterwegs … war oben auf einem Berg, hab die vielen blühenden Kaffeesträucher gesehen.

Affen …

Eine Mutter mit Jungtier.

Ich war neugierig, ob sie mit dem Kleinen auf dem Rücken wirklich zum anderen Baum springt.
Es kam anders.

Sie hat das Jungtier abgesetzt und ist allein gesprungen.
Das Kleine war völlig außer sich.
Dann ist sie in dem anderen Baum hochgeklettert und hat sich von einem Ast runterhängen lassen und hat das Kleine eingesammelt.

Den Affen könnt ich stundenlang zuschauen, sie ziehen oft an meiner cabaña vorbei.
Sie bleiben aber immer oben, kommen nicht runter … zumindest bis jetzt.

Spiderman …

Und dann heute früh … eine handtellergroße Spinne im Nachbarzimmer.
Einfangen ging nicht … die ist einfach zu schnell.

Also hab ich mich jetzt damit abgefunden … weil … verhindern kann ich eh nicht, dass ich Mitbewohner habe.
Ich gehe davon aus, dass sie nicht giftig ist.

Nächster Tag …
Als ich gestern Abend zum Dach der Terra schaute, hab ich das Spinnenbein gesehen.
Ich dachte „Wunderbar, Spiderman ist nach draußen gezogen.“

Als ich mich dann später im Nachbarzimmer umgezogen habe und meinen Blick hebe … was sehe ich … direkt vor meiner Nase an der Innentür?
Spinnenbein … Arrgggh …

Ich hab ihr dann erklärt, dass sie bleiben darf und dass ich ihr nichts tue.
Im Gegenzug lässt sie mich aber auch in Ruhe und bleibt in ihrem Zimmer.
Mittlerweile schaue ich mir die Wände nicht mehr so genau an, bevor ich ins Bett gehe.
Ich will gar nicht wissen, was da alles so dranhängt.

Frösche

Gestern Abend hab ich rausgefunden, wie der Frosch oder was-auch-immer das war … in mein Waschbecken kam.

Die Tierchen sind nachtaktiv, die dafür typischen Augen sind mir schon beim ersten Mal aufgefallen.
Und sie haben Füße wie Geckos … damit klettern sie Wände hoch.

Ein anderer Abend …
Der gestrige Abend war wieder mal bemerkenswert … wie überhaupt alle Abende hier.

Ich hab mir hier angewöhnt – besonders abends – genau hinzuschauen, wenn ich irgendwo hintrete.
Nicht, das da schon jemand ist

Ich schaue mich also im Bad um, weil ich mich bettfertig machen wollte.
Den kritischen Blick ins Waschbecken hab ich gut drauf.
Nix … auch an den Wänden … keine Frösche.

Dann will ich mich aufs Klo setzen … und zum Glück … intuitiv schaue ich rein.

Und??? … da saß wirklich ein Frosch im Klobecken. Und die Kerle werden immer größer.

Ich mag gar nicht drüber nachdenken, wie es gewesen wäre, wenn der mir am Hintern geklebt hätte …. brrrrrrr
Hab den Kerl dann vor die Tür gesetzt.

Den nächsten Frosch hebe ich mal als Beobachtungsobjekt auf.
An das allabendliche Rascheln um mich herum habe ich mich mittlerweile gewöhnt.
Ich bin oft selber von meiner Gelassenheit überrascht.

Wieder zwei Abende später …
Ich komme von der Terra ins Zimmer, hab nur ein kleines Licht an.
Gehe zur Bad-Tür … und?

Ich konnte es kaum glauben … und meine Sinne schärfen sich immer mehr.
Irgendwas hatte mich davon abgehalten, zum Türgriff zu langen. Ich hatte nur eine dunkle Stelle wahrgenommen.

Und dann … im Taschenlampenlicht sah ich ihn … ein Frosch saß direkt auf der schmalen Türverriegelung.
Er sieht hübsch aus … vielleicht sollte ich ihn doch mal küssen?

Und wieder ein Frosch …
So langsam gewöhne ich mich an die Gesellschaft.
Heute Abend klebte er an der Wand.
Ist es immer der gleiche Frosch???

Ursprünglich wollte ich ihn ja als Beobachtungsobjekt für den nächsten Tag aufheben.
Aber ich hab es nicht über’s Herz gebracht, den hübschen Kerl die ganze Nacht im Becher einzusperren.
Also hab ich ihn auf der Terrasse freigelassen.

Und was macht er? Springt auf meinen Schaukelstuhl, wir saßen dann einträchtig nebeneinander und ich konnte ihn ausgiebig mit der Taschenlampe betrachten. Diese Augen sind wirklich faszinierend … Schwarz-Gold gesprenkelt.
Ich find meine Beziehung zu diesem Frosch langsam richtig lustig

Mich wundert langsam nichts mehr.
Gestern Abend saß mein Frosch direkt am Spiegel im Bad.
Er sucht sich auch wirklich immer besondere Stellen aus … so, dass ich ihn nicht übersehen kann.
Vielleicht wohnt ja mein Frosch in der cabaña?
Ich habe ihn gestern dann im Bad sitzen lassen. Spinne und Frosch im Nachbarzimmer .. ich im Schlafzimmer.

Bobby …

Ein 6 Monate alter, kleiner, verlauster Kerl.
Ich habe ihn sofort in mein Herz geschlossen.

Anfangs war er noch etwas ängstlich … er musste ja auch erst mal schauen, was ich denn für Eine bin.
Nach 3 Tagen hat er mich zu seiner amiga auserkoren.

Es war so wunderschön, wenn er mich auf meine Terra begleitet hat und wir beide gechillt haben.

Radtour nach Muy Muy …

Bin von meiner Fahrradtour zurück … war echt geil.

Mit einem Männertrekking-Rad 7 km Schotterpiste bergab.
Durchgeschüttelt ohne Ende und die Hände nur an der Bremse.
Zwischendurch noch Schuhe ausziehen und durch einen Fluss waten.

Von allen Nicas wurde ich freundlich-neugierig gegrüßt.
Die letzten km zurück habe ich dann geschoben und dann wusste ich auch, warum mir hier keine Fahrradfahrer begegnet sind.

Das nächste Mal nehme ich auch ein Pferd.

Faszinierende Geschöpfe …

Das war ja richtig witzig …

Diese faszinierende Gottesanbeterin hat mich heute Nachmittag auf der Terra besucht.

Ich spürte eine ganz eigenartige Verbindung zu ihr, so als ob sie mich versteht.
Sie bewegte ihren Kopf hin und her, als ob sie *nachdenkt*.

Und dann hat sie *Verstecken* mit mir gespielt … ich hab so gelacht.
Immer, wenn meine kleine Schönheit sich von mir beobachtet gefühlt hat, ist sie hinter den Pfosten.
Wenn ich dann auch da war, ist sie wieder zurück.
Sie ist aber nicht weggerannt, hat sich nur versteckt.

Matagalpa …

Bin 5:45 aufgestanden, 6:30 mit Taxi nach Muy Muy, 7:15 mit Bus nach Matagalpa, dort mit Taxi in die Innenstadt.

Taxifahren ist lustig.
Einfach Daumen raus und Taxi hält. Und auch wenn schon 3 Personen drinsitzen, quetscht du dich dazu und es geht weiter.
Für die meisten Nicas ist Taxifahren etwas völlig Alltägliches.
Für meine Fahrt in die Innenstadt hab ich ca. 0,30 € bezahlt.
Die Bus-Bahnhöfe befinden sich oft außerhalb der Stadtzentren bei den mercados (Märkten).

Es ist eine Stadt wie viele … alles sehr quirlig, sehr laut.
Bin dann durch die Gassen gestromert und fand es faszinierend, was es hier für Höhenunterschiede gibt.
Ich glaub, mein kleiner Punto wäre da nicht hochgekommen

Was ich nicht gefunden habe … ein ruhiges Plätzchen für‘n Kaffee.

Nach 4 Stunden Stadttrubel hat es mich dann wieder zu meiner cabaña gezogen.
Zum Busbahnhof bin ich gelaufen und ich hatte Glück. Ein Bus nach Muy Muy stand schon bereit.
Nach 1,5 h Fahrt im vollen Bus und mit Dauermusikbeschallung hab ich dann entschieden, die 7 km Schotterpiste bergauf von Muy Muy zur Finca zu laufen.
War gar nicht so einfach, die mofafahrenden Nicas zu überzeugen, dass ich nicht mitgenommen werden will sondern lieber laufen möchte.

Kaffeplantage …

Heute hat mir Ricardo die Kaffeeplantage der Finca gezeigt … es war eine Spontanidee nach dem Frühstück.
Er stiefelte (in Gummistiefeln) vor mir her … und ich tänzelte in Stoffturnschuhen hintendran.
Wenn ich es richtig verstanden habe, werden die Kaffeepflanzen seit ca. 10 Jahren hier kultiviert. So lange arbeitet Ricardo auch schon hier.

So eine Pflanze wird ca. 2,5 m hoch und 6-7 Jahre alt.
Es erfolgt ein ständiger Wechsel … die neuen Pflänzchen werden permanent nachgezogen.
Momentan arbeiten hier ca. 6 Leute, zur Erntezeit (Okt. – Dez.) sind es dann ca. 20 Personen.
Er sagte, dieses Jahr wird es eine richtig gute Ernte geben, die
Kaffeesträucher blühen richtig intensiv.

Es war sehr interessant und mir ist auch klar, warum Ricardo Gummistiefel anhatte.
Als wir an einer Stelle längere Zeit standen und ich danach auf meinen rechten Fuß schaute … war der schwarz … voller kleiner Ameisen.

Spanisch träumen …

Heute ist der elfte Tag und ich habe letzte Nacht erstmalig Spanisch im Traum gesprochen, zwar immer noch in meinem Freestyle-Spanisch … aber immerhin.

Gesten waren die Kinder von Esther und Ricardo hier, incl. Enkelkinder.

Welche Situation ist äußerst spannend zum Lernen einer Fremdsprache?
Wenn ein kleines Kind auf dich einspricht und du keinen Schimmer hast, um was es geht

Nach 10 Tagen setzt jetzt ein Gefühl der Sättigung an Ruhe ein. Das, was ich machen wollte, hab ich gemacht, das, was ich sehen wollte, hab ich gesehen.

Und es war lustig … als ich dann gestern in der Dämmerung auf der Terrasse saß und eine leicht unleidige Stimmung in mir hochkam, hatte ich das Gefühl, die Vögel spüren das.

Noch nie waren so viele Vögel auf einmal direkt vor mir.
Sie hüpften vor mir rum, als ob sie mir zeigen wollten:
„Hey … es ist doch schön hier, bleib noch ein bisschen.“

Die größte Herausforderung sehe ich darin, dem Tag eine gewisse Struktur zu geben.
Müßiggang und in-den-Tag-hineinleben ist ne feine Sache.

Aber wie in vielen Dingen braucht es (für mich) ein Gegengewicht, damit meine Waage in Balance bleibt.
Und ich freue mich nun wieder auf meinen *Alltag*.

Ich bin neugierig, welcher Weg sich für neue berufliche Herausforderungen zeigen wird.

Esther, Ricardo und ihre Finca bleiben mir in liebevoller Erinnerung.
Und ich werde mal schauen, welche Möglichkeiten es gibt, dieses wunderbare Projekt zu unterstützen.

Rückreise …

Ich habe gespürt, dass es Zeit wird, mein ABENTEUER zu Ende zu bringen.
Habe meinen Rückflug vorgebucht, weil ich das Wochenende wieder in meinem *zu Hause* verbringen wollte.

Und meine Rückreise hatte es noch mal so richtig in sich.
Am Tag zuvor hatte ich einen Ausritt mit Pferd geplant.
2 Stunden auf einem Pferdesattel, ohne jede Übung und Erfahrung.
Mein Guide hatte sichtlich Freude daran, mein Pferd im lockeren Trab zu führen.

Ich hab die Zähne zusammen gebissen und Haltung gewahrt … erst hinterher hab ich gesehen und gespürt, wie *wund* mein Hintern ist.

Super Voraussetzungen für einen Langstreckenflug.

Tag der Abreise …

Ich habe Esther und Ricardo in mein Herz geschlossen und wünsche mir sehr, dass ich die beiden noch einmal wiedersehe.

Um 6 Uhr saß ich an der Bushaltestelle … und? … nichts …

Um 7 Uhr war immer noch kein Bus da.
Irgendwann kam dann ein Bus und meine Frage, ob der auch wirklich nach Managua fährt wurde kräftig bejaht.
Ich bin ja so dankbar für meine freundlichen Mitreisenden … denn irgendwann sagten sie mir, dass ich jetzt in einen anderen Bus umsteigen müsse. Bueno … ich hatte den Fahrer gebeten, mir anzuzeigen, wann ich aussteigen muss.
Tja … und irgendwann sah ich den Flughafen „Sandino“ an mir vorbeirauschen. Ich vor zum Fahrer … und ein ’sorry‘ kam. Also an der nächsten Stelle raus und mit Taxi zum Flughafen zurück.

Am Flughafen dann die Mitteilung, dass mein Flug ca. 1,5 h Verspätung hat. Und ich dachte: „Schiet … das wird eng in Houston (mit seinen komplizierten Sicherheitsbestimmungen).“
Da saß ich nun friedlich in Managua am Flughafen und wartete geduldig auf meinen Abflug (in mir ist wirklich dieses große Vertrauen, dass alles klappt).
Dann kam eine Durchsage … Señora Annett Buchholz möchte sich bitte am Gate 5 am Infopoint melden.

Also ehrlich … wenn mein Name von einer spanischsprechenden Person ausgesprochen wird … dann erkenne ich nicht gleich, dass ICH gemeint bin.
Erst bei der dritten Durchsage wurde ich stutzig.
Bueno … ich also vor zum Infopoint … und ich wurde zur Spezialkontrolle geordert. Leibesvisite, Rucksack etc. Danach war alles okay …

Mein Flieger landete 18:30 in Houston, um 19:10 sollte mein Flug nach Frankfurt starten.
Und ich wusste, die Amis sind mit ihren Sicherheitskontrollen echt nervig.
Als ich um 18:40 endlich aus dem Flugzeug raus kam (mein Platz war natürlich ganz hinten) … habe ich echt nicht mehr daran geglaubt, dass ich meinen Anschlussflug noch kriege.

Aber … ich hab’s geschafft.
Ich bin in sage und schreibe 20 Minuten durch alle Sicherheitskontrollen durchgerast.
Hab mich, wo es nur geht, mit „Sorry … I’m really in hurry“ vorgeschlängelt.
Hab mich instinktiv orientiert, wo ich hin muss … und bin im leichten Jogging-Trab zum Gate 5 (natürlich das am weitesten entfernte).
19:08 stand ich vor dem Gate und war fassungslos … vor lauter Freude, dass ich es tatsächlich geschafft habe. Hinter mir wurde das Gate geschlossen.

Tja … und dann saß ich nun 9 Stunden mit einem wunden Hintern im Flieger.

Was für ein ABENTEUER … sechs Wochen … ich habe so vieles über mich erfahren.

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